28.12.2015 Budget für Kunst als Verschiebemasse?

Osnabrück, 22.12.2015

Mit aktuell 117 Unterschriften protestieren Kunstschaffende und Unterstützer der regionalen Kunst-Szene gegen Kürzungen des Rates um 20.000,- € aus dem Etat der Stadtgalerie. Auf Nachfrage zu diesen und weiteren Einsparungen im Kulturbereich, z.B. bei Personalstellen des Felix-Nussbaum- und Kulturgeschichtlichen Museums, antwortet der Oberbürgermeister: „Damit sind wir flexibler als in der Vergangenheit.“

Wenn es nicht so bitterernst stünde um das kulturelle Über-Leben in dieser Stadt, könnte man Wolfgang Grieserts euphemistische Umschreibung dieser massiven Einschnitte zynisch nennen. Bedenkt man die Folgen der Kürzungen, wird offensichtlich, dass für ihn Kunst und Kultur reine Verschiebemasse, ein Luxusgut, sind, eben Kostenstellen, die im Hinterstübchen verhandelt und beliebig ausgebucht werden können. Dabei zählen die Kultureinrichtungen der Stadt mitsamt ihren hauptamtlichen und freiwilligen Akteuren zu den wichtigsten Aktivposten.

Seit Beginn ihrer Existenz leiden das Felix-Nussbaum-Haus und die Kunsthalle an chronischer Unterfinanzierung. Ohne nennenswerte Ausstellungsbudgets und nur mit hauchdünner Personaldecke müssen die Ausstellungshäuser seit Jahren um die Gunst des Publikums kämpfen und sich zudem in Konkurrenz mit anderen Städten behaupten. Die weitere Beschneidung des Etas schafft wohl kaum eine Basis für ambitionierte Ausstellungsprogramme, mit denen das Felix-Nussbaum-Haus und die Kunsthalle als bundesweit einzigartige Ausstellungshäuser kontinuierlich überregionale  Aufmerksamkeit erzeugen könnten. Besonders schmerzlich werden sich zudem die Kürzungen im Ausstellungsbereich der Stadtgalerie auf das kulturelle Leben der Stadt auswirken. Osnabrück verliert nämlich durch den Wegfall von Ausstellungen und Projekten der regionalen Künstler definitiv an Lebendigkeit und Kreativität!

In Zeiten, in denen Orientierungshilfen mehr denn je gebraucht werden, sind Kürzungen im Kulturbereich eine ultimative Fehlentscheidung. Der verhältnismäßig kleine Einspareffekt bei einem Haushalt von ca. 130 Mio. € steht in einem krassen Missverhältnis zu dem angerichteten kulturellen Flurschaden.

Kunst und Kultur sind unverzichtbar. Gerade Künstler können Gegenbilder zu einer Welt entwerfen, die ins Wanken gerät. Künstler hinterfragen gesellschaftliche Entwicklungen und entwerfen Utopien oder Dystopien, die vieles vorweg nehmen. Durch ihr kreatives Potential und ihre subversiven Methoden bewahren Künstler vor allzu schlichten Denkmustern und fordern die Gesellschaft immer wieder heraus. Kunst wirkt Intoleranz sowie Ängsten gegenüber fremden Kulturen und Unbekannten entgegen. Kunst gibt Denkanstöße, erweitert den Horizont und gibt Impulse für gesellschaftliche Weiterentwicklung. Will kommunale Kulturpolitik ihrer Verantwortung gerecht werden, muss sie die Basis für kulturelle Teilhabe schaffen.

Elisabeth Lumme

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