29.12.2015 Reinhart Richter zu den Kürzungen im Kulturetat

Osnabrück vergrößert  das  schon existierende  gravierende Defizit in der Förderung der bildenden Künstler

Leserbrief zum Thema Förderung der Bildenden Künstler,
zum Artikel der NOZ am 22.12.15 “Einbußen für die Osnabrücker Kunstszene”
von Stefan Lüddemann

Die Entscheidung von Oberbürgermeister Griesert und der Politik die Stadtgalerie zu schließen  und nur einen geringeren Teil der bisher für die Stadtgalerie verfügbaren Mittel – 14.800 € –  auf Antrag für künstlerische Vorhaben zu vergeben, macht  Strategiedefizite in Kulturpolitik und Stadtentwicklungspolitik deutlich.

Zur Situation:

-          Osnabrück ist eine Kulturstadt und bekennt in seinen Zielen zur Bedeutung der Kultur für die Stadtentwicklung.

-          Der Studiengang Kunst/ Kunstpädagogik bringt immer wieder interessante junge Künstlerinnen und Künstler hervor. Es gibt viele qualifizierte Künstlerinnen und Künstler in der Region.

-          Das überregional interessante Profil der Kunsthalle konzentriert sich auf die Präsentation künstlerischer Prozesse. Es lässt kaum Raum für die Präsentation von Kunstwerken der regionalen Künstler.

-          Es gibt kaum Mittel für öffentliche Kunstankäufe und die Einbeziehung von Künstlern in öffentliche Baumaßnahmen.

-          Es gibt ab 2016 keinen öffentlich geförderten Ausstellungsraum für die regionalen Künstler in Osnabrück.

-          Berlin hat eine starke Sogwirkung für Kreative, die der Stadt verloren gehen.

Mir ist keine Stadt unserer Größenordnung bekannt, die für ihre bildenden Künstler so wenig tut wie Osnabrück. Das Fehlen öffentlicher Ausstellungsmöglichkeiten für regionales Kunstschaffen ist ein unverständliches kulturpolitisches Infrastrukturdefizit, dass die Attraktivität  und Lebensqualität der „Kulturstadt“ beschädigt.

Dass Künstler sich in Zukunft bei der Kulturverwaltung um Fördermittel bewerben müssen,  ist angesichts der kuratorischen Kompetenzen in der Osnabrücker Künstlerszene nicht sinnvoll.

Die Mitglieder von TOPOS e.V. und des BBK-Kunstquartier haben durch viele Ausstellungsprojekte bewiesen, dass sie Konzeption und Organisation von Ausstellungsprojekten sehr gut und mit Qualität bewältigen. Dazu bedarf es keiner Kulturverwaltung. Ihre Arbeitskapazitäten können besser für andere Aufgaben eingesetzt werden.

Eine gute Lösung der Probleme  mit Vorteilen für Kultur und Stadtentwicklung ist mit wenig zusätzlichen Geld realisierbar.

TOPOS e.V. hat die besondere Möglichkeit in der Hasestraße in attraktiven Räumen eine  große, selbstorganisierte Kunstgalerie mit 350 qm Fläche einzurichten. Dazu benötigt der Verein einen städtischen  Zuschuss von 15.000 €. Damit würde eine– auch im überregionalen Vergleich sehr attraktive – Kunstgalerie entstehen, die ein besonderer – auch überregionaler – Anziehungspunkt für Künstler, Kunstsammler und Kunstinteressierte würde. Die  vielfältigen Ausstellungsprojekte würden entstehen ohne dass städtische Arbeitskapazitäten eingesetzt werden müssen.

Auch der BBK sollte für selbstverantwortete Ausstellungsprojekte eine Jahresförderung z.B. von 5.000 € erhalten.

Im städtischen Haushalt würde durch die Kündigung des Mietvertrages für die Stadtgalerie trotzdem eine deutliche Einsparung entstehen.

Die Beschützenden Werkstätten sollten dem Stadtgaleriecafe´ einen neues Profil – regionales Kunsthandwerk –  geben. Flächen könnten an Kunsthandwerker vermietet werden und Kunsthandwerk könnten in Regie der Beschützenden Werkstätten verkauft werden. Für das Hegertorviertel wäre ein solches Angebot attraktiver als die zeitgenössische Kunst.

Kulturberater Reinhart Richter, Osnabrück

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